Nach unseren letzten Erlebnissen auf Österreichischen Almen bin ich vorsichtig geworden, was mein Verhältnis zu Bergen und Spaziergängen auf denselben angeht. Doch im Tannheimer Tal ist alles anders als damals auf der Alm: ein Sommertag mit bestem Wetter, alles ist ausgeschildert, damit auch kein Tourist auf einem Berg vom Weg abkommt.

Da wir eigentlich mehr zufällig in Österreich sind, sind wir aufs Bergsteigen nicht eingerichtet, außer Proviant und Kamera haben wir nichts dabei. Aber wozu gibt es die Seilbahn! Es dauert gerade mal 10 Minuten, bis unsere Gondel uns aufs Neunerköpfle hinaufgefahren hat. So macht Bergsteigen Spaß! Wir genießen den Ausblick ins Tal aus rund 1800 Metern Höhe und sehen den Paraglidern beim Starten zu. Dann entdecken wir das Schild, auf dem die hiesigen Wanderwege inklusive Einkehrmöglichkeiten aufgezeichnet sind. Es gibt sogar Waffeln auf dem Berg?

Vorbei an vielen Kühen marschieren wir über geröllige Pfade in Richtung Waffeln. Österreichische Kühe klingeln quasi permanent, da sie mit gar nicht mal so kleinen Kuhglocken ausgerüstet sind. Selbst liegende Kühe klingeln, denn schon die Kaubewegung reicht aus, um die Glocke in Wallung zu bringen. Ob eigentlich alle österreichischen Kühe von dem Geklingel taub sind?

Irgendwann kommen wir bei der Stube an, ergattern einen Platz und genehmigen uns ein großes Getränk sowie die Waffeln und einen Brotzeit-Teller. Man kann vom Bergsteigen halten was man will, aber die Versorgung passt. Am Tisch nebenan sitzt ein Herrenchor, der bei jeder Runde Schnaps ein mehrstimmiges Lied anstimmt. Während unseres Aufenthalts in der Stube wird dreimal gesungen. Von der Stube aus können wir das Gipfelkreuz der Schochenspitze sehen und man kann ja eigentlich nicht auf einem Berg gewesen sein, ohne wenigstens ein Gipfelkreuz erobert zu haben.

Also marschieren wir in Richtung Schochen und stapfen anschließend noch den wirklich steilen Pfad zum Gipfelkreuz hinauf. Wir tragen uns sogar ins Gipfelbuch ein, wenn schon Bergsteigen, dann auch richtig. Von oben, immerhin 2.068 Meter, blicken wir auf die drei azurblauen Bergseen tief unten im Tal.

Bei diesem Ausblick denke ich, dass Bergsteigen eigentlich doch gar nicht so schlecht ist. Wenn nur das ganze Geröll nicht wäre, das einem heimtückisch unter den Schuhsohlen ins Rollen kommt und auf dem man beim steilen Abstieg von der Spitze gerne mehr in Fahrt kommt, als man eigentlich wollte! Aber das ist wohl Übungssache, wir werden nonchalant von einem älteren Herren mit Hund bergab überholt, mit großen Schritten steigen beide einvernehmlich zu Tal, denen scheint das Geröll nichts auszumachen.

Wir wandern an den ersten beiden Bergseen vorbei und stellen fest, dass Heruntersteigen vom Berg ziemlich anstrengend ist. Am zweiten See kehren wir ein weiteres Mal in einer Brotzeitstube ein und trinken ein Radler, bevor wir uns auf den letzten Teil des Abstiegs machen und den letzten See erobern.

Unten erreichen wir nach vielen Kilometern endlich einen Ort, von dem aus eigentlich ein Shuttlebus zu dem Ort fahren sollte, in dem unser Auto geduldig auf uns wartet – allerdings ist der letzte Bus natürlich schon vor einer Stunde abgefahren. Da wir ohnehin gerade so gut im Laufen sind, machen wir die 15 Kilometer noch voll, immerhin geht es ab jetzt nur noch ebenerdig voran.