20. Mai

Am frühen Nachmittag landen wir in Preveza auf Lefkada. Eben noch in Deutschland und jetzt schon am ionischen Meer, es ist warm hier und sehr sehr hell, erstmal die Sonnenbrille hervorkramen und nach der schaukeligen Taxifahrt zum Hafen brauchen wir auch alle dringend ein kühles Getränk aus dem Hafencafé.

Es ist Samstag und außer uns kommen heute noch eine Menge anderer Crews hier an, es herrscht allgemeine Aufbruchsstimmung. Wir inspizieren wir unsere Yacht, eine Bavaria Cruiser 51 namens Skyfall, Baujahr 2016, und sind angemessen beeindruckt von den Dimensionen und dem Komfort, den ein modernes Schiff zu bieten hat. Elektrische Klopumpen anyone? Warmes Wasser aus dem Hahn? Mit Bootsübernahme, Klamotten verstauen und Törnplanung für den nächsten Tag vergeht der Abend.

21. Mai

Erstes Ablegemanöver mit dem großen Kahn: einfacher als gedacht. Leichter Regen begleitet uns, während wir durchs Fahrwasser Richtung Süden tuckern, vorbei an einer malerischen Müllkippe an Steuerbord. Wir lassen die trotz des nur mäßigen Windes die Segel raus und segeln eine Weile, in der Ferne dunkle Regenwolken und ab und zu ein Blitz. Weiß der Wetterbericht eigentlich, dass er nur Sonne vorher gesagt hat? Zum Glück ist unser erstes Ziel, Porto Spilia auf Meganisi, nicht zu weit entfernt. Das erste Anlegemanöver geht nicht ganz so leicht von der Hand wie das Ablegen, unsere Skyfall vertreibt im Seitenwind schneller als die Mooring geangelt ist. Doch im zweiten Versuch klappt alles und wir haben Landgang. Wir erwandern den steilen Ort Spartachori und genießen den Ausblick auf die Bucht, der Regen hat sich inzwischen wieder verzogen.

Später lassen wir noch das Dinghy zu Wasser und stellen dabei fest, dass der Schalter für die Badeplattform am Heck nicht funktioniert. Es beginnt die ausführliche Suche nach einem geheimen General-Plattform-Schalter, den wir bei der Bootsübernahme übersehen haben könnten – doch wir finden nichts. Ein Crewmitglied stürzt sich beim Versuch, das Dinghy ohne den sicheren Halt an der Badeplattform zu verlassen, gleich mal in voller Montur ins Hafenbecken. Schadenfrohes Gejohle der Restcrew, aber die Sonnenbrille des Herren sitzt auch beim Schwimmen in T-Shirt und Hosen perfekt. Ruhige Nacht an Bord.

22. Mai

Unser erstes Zwischenziel ist der kleine Hafen Syvota auf Lefkada, wo unser Vercharterer uns einen Techniker hinschickt. Dieser identifiziert als Verursacher unserer defekten Badeplattform eine durchgebrannte Sicherung und tauscht sie aus.

Am Nachmittag verlassen wir Syvota, setzen die Segel und fahren nach Süden, Richtung Vathy auf Ithaka. Die 51 Fuß unserer Skyfall kommen rasch in Bewegung und mit raumen Wind und gerefftem Groß haben wir unter Anfeuerung der Crew bald 10 Knoten auf dem Tacho. Ganz herrlicher Segelspaß!

Am frühen Abend erreichen wir Vathy. Der Hafen ist schon ziemlich voll, wir quetschen uns noch knapp an den Kai, es ist etwas eng und aufgrund des starken seitlichen Windes liegt die ganze Reihe Yachten schon leicht schief. Wir setzen diese Tradition kurzerhand fort, legen jedoch noch eine Mittelspring, nur zur Sicherheit, schließlich sind wir ja mit deutscher Gründlichkeit unterwegs. Wir zahlen 5 Euro Liegegebühr, für das ganze Boot wohlgemerkt, nicht etwa pro Meter. Später drückt sich noch eine rumänische Crew neben uns; Eng ist eben immer und überall ein dehnbarer Begriff.

23. Mai

Unser erster Badestop führt uns in die Bucht Polis auf Ithaka, die Crew ist beim Anblick des glockenklaren, türkisblauen ionischen Wassers hocherfreut. Wie warm das wohl ist? Spitze Schreie nach dem ersten Köpper ins erfrischende Nass – es ist eben doch erst Mai.

Der Wind hat zum Nachmittag wieder ordentlich aufgefrischt. Unser Ziel für den Abend: Ay Eufemia auf Kefalonia. Wir melden uns ordnungsgemäß über Funk an und erfahren, dass es keinen Platz am Kai mehr für uns gibt, stattdessen können wir aber im Hafenbecken ankern. „Drop the anchor when you are in line with the old house!“ – Klaro, machen wir doch gern. Noch lieber hätten wir zwar Strom und Wasser gehabt, aber man kann ja nicht immer alles haben.

Wir lassen das Dinghy zu Wasser und setzen über, diesmal ohne dass einer ins Wasser fällt. Die Suche nach einer Dusche beginnt, der Vorteil von den kleinen griechischen Häfen: keine Hafengebühren, der Nachteil von den kleinen griechischen Häfen: keine offiziellen sanitären Anlagen. Ruhige Nacht.

24. Mai

Am Morgen wird ein Platz am Kai frei, den der Hafenmeister als groß genug für uns empfindet, wir legen kurz an und tanken Frischwasser nach. Unser Ziel wäre danach eigentlich Kastos gewesen. Wegen drohenden Unheils in Form von grauen Wolken und Blitzen über der Insel entscheiden wir uns jedoch für Kioni auf Ithaka, Pläne sind schließlich dazu da, den Gegebenheiten angepasst zu werden.

Als wir einlaufen, kommt uns gerade eine Yacht entgegen, an deren Platz wir kurzerhand anlegen. Eine glückliche Fügung, wie sich herausstellt: während wir im Café Frappé trinken, beobachten wir die zahlreichen Yachten, die nach uns noch auf der Suche nach einem Platz hereinkommen. Einige behelfen sich mit Landleinen oder ankern kurzerhand im Hafenbecken, wo es jedoch auch schnell eng wird. Sogar eine kleine Flottille aus drei Booten kommt herein und fährt unverrichteter Dinge wieder heraus.

25. Mai

Der heutige Badestop führt uns in die One House Bay auf Atokos. Dort kommt mir das Wasser schon viel wärmer vor – aber vermutlich ist das reine Gewöhnungssache. Die Bucht füllt sich über Mittag rasant mit Booten, schließlich kommt noch eine Ausflugsfähre vorbei, die einen Haufen hummerfarbene Touristen ausspuckt. Die Touristen marschieren im Pulk mit ihren Handtüchern an den Strand und sonnen sich dort, es geht doch nichts über ein gutes Sonnenbad zur Abhilfe bei Sonnenbrand.

Am Nachmittag frischt der Wind wie gewohnt ordentlich auf und wir segeln nach Meganisi.

Das abendliche Anlegemanöver in der nördlichen Bucht von Ormos Ambelaki gestaltet sich unerwartet kompliziert, da sich die Landleinen, die wir an Bord haben, als zu kurz erweisen und der starke Seitenwind unsere Skyfall immer wieder vertreibt. Insgesamt fahren wir das Manöver dreimal, bis wir mit unserer Position und den verlängerten Leinen zufrieden sind.

Auf der protzigen Motoryacht neben uns bläst derweil der Eigner demonstrativ vier Fender auf (mit einem Fender-Aufblasgerät, gehört ab einer gewissen Yachtklasse sicherlich zum Inventar) und hängt sie zu unserer Seite an die Reling. Merke: wer viel hat, hat eben auch viel Angst, es zu verlieren. Er lässt auch seinen Motor bis um Mitternacht laufen und beleuchtet die Bucht mit blauen Unterwasserscheinwerfern. Disco für die Fische – wer hat der hat.

26. Mai

Unser letzter Tag! Die Position unserer Skyfall ist über die Nacht unverändert geblieben. Nicht umsonst haben wir mit deutscher Gründlichkeit gearbeitet, auch wenn es eben drei Versuche gebraucht hat. Ich wette, der Motoryachteigner neben uns hat trotzdem kein Auge zugetan. Bevor wir den Heimweg antreten, machen wir noch einen Abstecher nach Nydri und werfen im Vorbeifahren natürlich auch einen neugierigen Blick auf die Privatinsel Skorpios – dort regt sich jedoch nichts, was auf die An- oder Abwesenheit irgendwelcher Prominenter schließen lässt.

Heimwärts kreuzen wir gegen den Wind nach Norden, und überholen dabei noch elegant ein französisches Schiff. Zwei Segler, eine Regatta! Mittleres Gedränge an der Tankstelle, die Rückübergabe des Bootes verläuft ereignislos.

Alle sind zufrieden und geschafft, jetzt ein bißchen Urlaub, das wäre nicht schlecht. Der Großteil der Crew muss jedoch am Montag schon wieder arbeiten, zum Glück können Alex und ich noch ein paar Tage auf den griechischen Inseln bleiben, allerdings auf festem Boden, shore leaf sozusagen. Den letzten gemeinsamen Abend verbringen wir in Lefkada und geben den Restbetrag der Bordkasse in einem Restaurant aus. Kaum zu glauben, wie schnell die Woche verging.

Wir blicken zurück auf wunderschöne Tage, tschüß Crew, tschüß Meer, tschüß Skyfall. Und wie Paulchen Panther immer sagt: Wir kommen wieder, keine Frage.