Wir waren Toprope-Klettern, so richtig mit Anseilen und Sichern und bis oben hin an der Wand. 16 Meter sind ja doch ganz schön hoch. Gut, dass ich schwindelfrei bin. Während des Kletterns ist sowieso keine Zeit, sich um irgendwas anderes Gedanken zu machen, als über den nächsten Griff. Und warum sind eigentlich diese Schuhe so verdammt eng? Achja, damit man auch die ganz kleinen Tritte damit benutzen kann. Meine Füße sind not amused, aber auch darum macht man sich auf dem Weg nach oben keine weiteren Gedanken, muss klettern, muss an den nächsten Griff kommen, kriege ich gerade einen Krampf in der Hand? Der geübte Kletterer klettert ja angeblich locker aus den Beinen. Ich bin aber kein geübter Kletterer und hangele mich nicht gerade kraftschonend, aber dafür erfolgreich an der Wand hoch.

Von unten sieht alles einfach aus…

Die gelbe Tour ist ausgezeichnet mit einer 5+, sie enthält nämlich einen kleinen Überhang, vor dem ich erstmal eine ganze Weile rätselnd in der Wand stehe. Da soll ich rüber? Wie? Mit meinen kurzen Armen komme ich nicht mal in die Nähe des nächsten gelben Griffes! Soll ich da etwa hoch schweben? Ich schaue nach unten, wo Alex mit dem extra mitgebrachten Freund zusammen geduldig die Leine hält.

„Links von dir ist noch ein weiterer gelber“, lassen sie mich wissen. Sehr hilfreich, denke ich, der ist ja fast genauso weit weg wie der andere. Wartet nur, bis einer von euch gleich hier oben hängt, da sieht das nämlich schon nicht mehr so einfach aus wie von unten! Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht trotzdem mit einem gewagten Move versuche, an diesen Griff zu kommen, dann hänge ich eine Weile wie ein nasser Sack am linken Arm, warum habe ich eigentlich nie Klimmzüge gelernt, am besten einarmige, das wäre jetzt praktisch. Doch auch ohne Klimmzug gelingt es mir schließlich irgendwie, über den Überhang zu kommen und der Hallendecke Highfive zu geben. Beim Abseilen fühle ich mich stolz wie Reinhold Messner und bin vom Adrenalin angefixt ohne Ende.

Reihum klettern wir noch etliche Male die Wand hoch und verausgaben uns an kleinen Überhängen, etwas größeren Überhängen und verschiedenen Griffen, bis schließlich die Arme und Beine vollkommen erlahmen; der Höhenrausch klingt langsam ab und hinterlässt einen großartigen Muskelkater, etliche blaue Flecken an den Knien sowie den Termin für die nächste Kletterverabredung.